Death Metal Triple Threat: Cannibal Corpse, Betrayal, Endseeker

Was war das nur für ein Veröffentlichungsfreitag letzte Woche?! Nein, ich rede nicht von der neuen Offspring, die ich bis auf einzelne Songs eher mau finde. Es geht um eine Dreifaltigkeit aus richtig gutem Death Metal, die innerhalb eines Tages auf das müde Coronavolk entlassen wurde. Nicht nur die Genre-Könige Cannibal Corpse haben mal wieder gezeigt, wie man mit einem Hammer Gesichter zu zertrümmern hat – auch zwei deutsche Releases haben ganz starke Ausrufezeichen gesetzt: Endseeker und Betrayal. 

Cannibal Corpse – Violence Unimagined

Albumcover Cannibal Corpse - Violence Unimagined, Frau mit Monstermund und Reißzählnen
 
In einem Interview mit Paul Mazurkiewicz zum damaligen „Torture“-Album (2012) habe ich den sympathischen Drummer mal gefragt, ob er keine Angst hat, dass der Band mal die Themen für ihre Songs ausgehen. Schließlich wurde hier gefühlt schon so ziemlich jedes Körperteil auf jede erdenkliche Art und Weise abgetrennt, sexuell belästigt und aufgegessen. Ein knappes Jahrzehnt und drei Alben später wissen wir, dass dem nicht so ist. Die Urgesteine liefern mit „Violence Unimagined“ wieder einen solid-geilen Genrestandard ohne Innovationen und Schwächen. Alles ist, wie man es mag, alles ist brutal und fett gespielt, alles klingt, wie es zu klingen hat. Eric Rutan sitzt diesmal nicht nur an den Reglern, sondern ergänzt die Band auch sehr wohltuend an der Gitarre, nachdem sein Vorgänger Pat O’Brien es offenbar zu doll mit dem Meth getrieben hat und sich Feuerwerferschwingend und halbnackt hatte verhaften lassen (lol!). Songs wie „Follow the Blood“ oder „Slowly Sawn“ setzen kleine Ausrufezeichen. Eine Band, die wirklich noch nie enttäuscht hat.
 

Betrayal – Disorder Remains

Albumcover Betrayal - Disorder Remains, Kreuzigung

Die Jungs aus Aschaffenburg hatte ich lange nur auf dem Schirm, weil sie uns mit Pripjat mal einen sehr coolen Gig organisiert haben. Jedoch habe ich die Band immer aus dem Augenwinkel beobachtet und nahm eine spannende Entwicklung wahr. Vor allem in Sachen Selbstdarstellung im Internet hat man eine klare Kante verfolgt und sich ein schönes elitär-düsteres Image aufgebaut. Man sah es mit jedem Post – die Jungs wollen es wissen! 

 
Das untermauert die Band nun eindrucksvoll mit „Disorder Remains“, welches mit Sicherheit das ambitionierteste Werk der Musiker sein dürfte. Der technisch-dramatische Death Metal mit einer geilen Thrash-Schlagseite zwischendurch folgt gekonnt den Fußstapfen von Behemoth und das meine ich als Kompliment. Es ist nämlich alles andere als leicht, sich in diesem Bereich nicht nach einer bemühten Kopie anzuhören. Das ist hier ganz klar nicht der Fall. Sehr klar und glatt produziert, mit orchestralen Arrangements und einem hohen spielerischen Können, rast das Ding von Song zu Song und hasst alles in seinem Weg. Anspieltipps: „War“ und „Insanity“, wobei das ganze Album abwechslungsreich und gelungen ist. 
 


Endseeker – Mount Carcass

Albumcover Endseeker - Moung Carcass, Collage aus Schädelhaufen

Ich sage es frei heraus – die ihnen aktuell von vielen Seiten gewidmete Aufmerksamkeit haben Endseeker voll und ganz verdient. Die letzten Töne ihres Vorgängers „The Harvest“ sind noch nicht einmal ganz verklungen, da liefern sie schon die nächste HM2-Huldigung nach, die es voll in sich hat. Der in Schweden groß gemachte Sound des legendären Effektpedals für Gitarren ist längst ein eigenes Genre im Death Metal und in Deutschland kenne ich keine Band, die ihn vergleichbar gut drauf hat wie Endseeker. Das walzt und knarzt und knallt und macht immer wieder Bock. Dabei wurde in diesem Genre eigentlich schon alles gesagt. Umso beeindruckender finde ich mit dieser Art von Death Metal ein Ausrufezeichen setzen zu können. Das ist hier mal wieder gelungen!

 

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